Wie ich AnfängerInnen im Chen Stil unterrichte

  • Grundprinzipien statt fixer Abläufe

In meinen Basiskursen lege ich besonderen Wert auf das Vermitteln wesentlicher Grundprinzipien des Tai Chi Chuan. Mir ist wichtig, dass Anfängerinnen nicht nur einzelne Übungen lernen, sondern nach und nach ein Verständnis dafür entwickeln, wie Bewegung im Tai Chi grundsätzlich organisiert ist.

Der Unterricht folgt daher keinem starren Schema. Stattdessen orientiert er sich an klaren Prinzipien, die immer wieder aufgegriffen, vertieft und aus unterschiedlichen Blickwinkeln erfahrbar gemacht werden.

  • Aufwärmen als Vorbereitung – nicht als Selbstzweck

Zu Beginn jeder Einheit steht eine ruhige Aufwärmphase. Dazu gehören das Kreisen der Gelenke sowie sanfte Streck- und Kräftigungsübungen. Ziel ist es nicht, den Körper „müde zu machen“, sondern ihn vorzubereiten:

  • Gelenke werden mobilisiert

  • Spannungen werden reduziert

  • Aufmerksamkeit wird in den Körper geholt

So entsteht eine Grundlage, auf der differenzierter gearbeitet werden kann.

 

  • Tai-Chi-Schritte als Basis des Bewegungsgefühls

Im Anschluss vertiefen wir das Bewegungsgefühl mit grundlegenden Tai-Chi-Schritten: vorwärts, rückwärts und seitlich. Diese einfachen Fortbewegungsformen sind zentral, weil sie zeigen, wie Gewicht verlagert wird, wie der Stand organisiert ist und wie Bewegung aus dem ganzen Körper entsteht.

Die Schritte werden nicht isoliert geübt, sondern bewusst wahrgenommen – mit Augenmerk auf Balance, Richtung und innere Verbindung.

  • Seidenübungen (Silk Reeling) als verbindendes Element

Die Tai-Chi-Schritte werden mit den Seidenübungen (Silk Reeling) kombiniert. Diese Übungen machen ein zentrales Prinzip des Chen Stil Tai Chi erfahrbar: kontinuierliche, spiralige Bewegung durch den gesamten Körper.

Für Anfängerinnen sind die Seidenübungen besonders wertvoll, weil sie helfen,

  • Bewegungen zu verbinden statt aneinanderzureihen

  • Kraft nicht lokal, sondern ganzheitlich einzusetzen

  • fließende Übergänge zu entwickeln

So entsteht nach und nach ein Gefühl für die innere Logik der Bewegungen.

  • Unterricht nach Prinzipien, nicht nach Rezept

Meine Trainingsstunden verlaufen nicht jedes Mal identisch. Inhalte, Reihenfolge und Schwerpunkte können variieren – abhängig von der Gruppe, dem Lernstand und dem aktuellen Thema.

Was jedoch konstant bleibt, sind die zugrunde liegenden Prinzipien:
Struktur vor Geschwindigkeit, Wahrnehmung vor äußere Form und Qualität vor Quantität.

Gerade für Anfängerinnen schafft dieser Ansatz einen geschützten Lernraum, in dem Entwicklung möglich ist, ohne sich an äußeren Erwartungen messen zu müssen.

 

  • Eine eigens entwickelte Kurzform aus dem Chen Stil

In meinen Basiskursen unterrichte ich eine Kurzform aus dem Chen Stil, die ich aus dem Alten Rahmen (Laojia Yilu) abgeleitet habe. Diese Kurzform ist bewusst so gestaltet, dass sie für Anfängerinnen überschaubar bleibt und dennoch die wesentlichen Bewegungsprinzipien des Chen Stil Tai Chi enthält.

Das Ziel ist nicht, möglichst viele Bewegungen zu lernen, sondern auf Basis dieser Kurzform nach und nach die Prinzipien aus den Grundübungen zu integrieren. Was zuvor in Strukturübungen, Schritten und Seidenübungen erarbeitet wurde, findet hier seinen Platz in einer zusammenhängenden Bewegungsabfolge.

Die Kurzform dient dabei als Lernfeld:
Struktur, Gewichtsverlagerung, spiralige Bewegung und Entspannung werden nicht isoliert geübt, sondern in einem fließenden Zusammenhang erfahrbar.

  • Anwendungsideen als Verständnishilfe

Ergänzend dazu erläutere ich einfache Anwendungsideen zu ausgewählten Bewegungen der Kurzform. Diese dienen nicht dem Kämpfen, sondern dem besseren Verständnis von Richtung, Verbindung und Kraftübertragung.

Gerade für Anfängerinnen wird dadurch oft nachvollziehbar, warum eine Bewegung so ausgeführt wird und nicht anders. Der gedachte Kontakt mit einem Partner hilft, den Fluss der Energie und die innere Logik der Bewegung klarer zu spüren.

So entsteht ein ganzheitlicher Zugang:
Grundübungen, Kurzform und Anwendungsideen greifen ineinander und unterstützen sich gegenseitig.

 

Auf diese Weise entsteht ein Unterricht, der Anfängerinnen Schritt für Schritt an die Tiefe des Tai Chi Chuan heranführt – ohne Überforderung, aber mit klarer Ausrichtung auf Qualität und Verständnis.